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Melissos

Es liegt also auf der Hand, daß unser Blick sich
täuschte, und daß der Anschein jener Vielheit von
Dingen trügerisch ist. Denn wären sie wirklich, so
Schlügen sie nicht um, sondern jedes bliebe so wie es
vordem aussah. Denn stärker als die wirklich vorhan-
dene Wahrheit ist nichts. Schlägt aber etwas um,
so geht das Vorhandene zugrunde und das Nichtvor-
handene ist entstanden. So ergibt sich also: gäb' es
eine Vielheit von Dingen, so müßten sie genau diesel-
ben Eigenschaften besitzen wie das Eins.
Wenn es also [überhaupt] vorhanden ist, so maß
es eins sein. Ist es aber eins, so darf es keinen Körper
besitzen. Besäße es Dicke, so besäße es auch Teile
und wäre dann nicht mehr eines.
Wenn das Seiende geteilt ist, dann bewegt es
sich auch. Wenn es sich aber bewegt, dann hört sein
Sein auf.

Melissos
14.5.06 13:43


Auch
gibt es kein Leeres. Denn das Leere ist nichts, also
kann das, was ja nichts ist, nicht vorhanden sein. Und
es [das Seiende] kann sich [deswegen] auch nicht be-
wegen. Denn es kann nirgendshin ausweichen, son-
dern ist voll. Denn wär' es leer, so wich' es ins Leere
aus. Da es nun kein Leeres gibt, so hat es keinen
Raum zum Ausweichen. Auch kann es kein Dicht
oder Dünn geben. Denn das Dünne kann unmöglich
ähnlich voll sein wie das Dichte, sondern durch das
Dünne entsteht ja bereits etwas, das leerer ist als das
Dichte. Man muß aber folgenden Unterschied an-
nehmen zwischen dem Vollen und dem Nichtvollen:
faßt nämlich ein Ding etwas oder nimmt es noch
etwas in sich auf, so ist es nicht voll; faßt es aber
nichts und nimmt es nichts auf, so ist es voll. So
muß es demnach voll sein, wenn es nicht leer ist. Ist
es also voll, dann bewegt es sich nicht

Melissos
14.5.06 13:14


Wird es nämlich anders, so muß notwendiger-
weise das, was ist, nicht mehr gleichmäßig vorhanden
sein, sondern es muß das, was vorher vorhanden war,
untergehen und das, was nicht vorhanden war, entste-
hen. Wenn es nun also in zehntausend Jahren auch
nur um ein Haar anders würde, so muß es in der
Ewigkeit vollständig zugrunde gehen. Aber auch
eine Umgestaltung ist unmöglich. Denn die frühere
Gestaltung geht nicht unter und die nicht vorhandene
entsteht nicht. Sintemal aber nichts dazukommt und
nichts verloren geht oder anders wird, wie sollte es
nach der Umgestaltung noch zu dem Seienden zählen?
Denn würde etwas anders, dann wäre es ja bereits
umgestaltet.

Melissos
14.5.06 13:10


Denn falls es dies [nämlich unendlich]
wäre, wäre es eins. Denn wäre es zwei Dinge, so könnten sie nicht unendlich sein, sondern bildeten
gegen einander Grenzen.

Melissos
14.5.06 13:08


Sintemal es nun also nicht entstanden und doch
ist und immer war und immer sein wird, so hat es
auch keinen Anfang und kein Ende, sondern ist un-
endlich. Denn wär' es entstanden, so hätte es einen
Anfang (denn es müßte ja, wenn entstanden, einmal
angefangen haben) und ein Ende (denn es müßte ja,
wenn entstanden, einmal geendet haben): hat es also
nicht angefangen und nicht geendet, war es vielmehr
immer und wird es immer sein, so hat es weder An-
fang noch Ende. Denn unmöglich kann etwas immer-
dar sein, was nicht vollständig im Sein aufgeht.

Sondern gleich wie es immerdar ist, so muß es
auch immerdar der Größe nach unendlich sein.
Nichts, was Anfang und Ende hat, ist ewig oder
unendlich.
Wäre es nicht eines, so würde es gegen ein ande-
res eine Grenze bilden.

Melissos
14.5.06 13:06


Immerdar war, was da war, und immerdar wird
es sein. Denn wär' es entstanden, so müßte es notwen-
digerweise vor dem Entstehen nichts sein. Wenn es
nun also nichts war, so könnte unter keiner Bedin-
gung etwas aus nichts entstehen.

Melissos
14.5.06 13:03





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